Montag, 8. August 2011

Special: Interview mit Patrick von Azrael Design


 Caution: As this interview shouldn't be altered in any way, it'll only be available in German.


Patrick arbeitet mit (Metal-)Szenegrößen wie Heaven Shall Burn oder Whitechapel zusammen. Er hat die Möglichkeit, seine Kreativität in vollen Zügen auszuleben. Ganz nebenbei verdient Patrick damit auch noch sein Einkommen.

Dies klingt für viele wie ein Traum. Genau das ist es auch für Patrick – nur ist der Traum für ihn wahrgeworden. Besser bekannt unter Pepe gestaltet der in Göttingen, Deutschland ansässige Grafiker Designs, Logos und Merchandise für zahlreiche Bands, Unternehmen und Organisationen.


Pepe


Patrick, wie und wo bist du aufgewachsen? Wie würdest du deine Kindheit beschreiben?
 Ich bin in Süddeutschland in einem relativ kleinen Dorf in der Nähe von Offenburg aufgewachsen und habe eine ziemlich idyllische Kindheit erleben dürfen. Also das volle Naturprogramm, inklusive auf Bäume klettern und wieder herunter fallen.
Wie kam es zu deinem Interesse für kreatives Arbeiten? Wann bist du zum ersten Mal mit Musik der härteren Gangart in Kontakt gekommen?
Mein Vater hat mich da glücklicherweise sehr früh herangeführt und ein paar der frühesten Erinnerungen aus meiner Kindheit bestehen aus gemeinsamem Zeichnen mit ihm. Musikalisch haben meine Eltern da bestimmt auch Grundsteine gelegt. In unserem Haus war Musik eigentlich immer ein Thema;  meine Mutter spielt Klavier und mein Vater kommt aus dem professionellen Jazz-Bereich.
An die härtere Musik kam ich dann aber doch eher durch überspielte Tapes von den großen Brüdern meiner Freunde. In der 8. Klasse hatte ich z.B. klassischerweise das „Master of Puppets“ Album von Metallica im Walkman.
Patrick
Wie sah dein Ausbildungsweg aus?
Naja, im Grunde kann man sagen, dass der Ausbildungsweg im künstlerischen Bereich in meiner Kindheit begann und ich schon immer einen Stift und Papier in der Hand hatte. Auch hatte ich einen der ersten Homecomputer, einen Commodore 64 und hatte so früh Zugang zum Selbststudium von Pixeldesign und auf Basic aufbauenden kleinerer Programme. Ich habe aber regulär mein Abitur gemacht, danach 2 Semester Wirtschaftswissenschaften studiert und im Anschluss mein Diplom im sozialen Bereich abgeschlossen, wobei ich ehrlich gesagt schon während des Studiums mehr Zeit in meine Selbstständigkeit mit Azraeldesign investiert habe als über die Möglichkeit nachzudenken, später in einem sozialarbeiterisch orientierten Berufsfeld zu landen. Allerdings habe ich besonders durch den Schwerpunkt "Bildkommunikation" während des Studiums jede Menge für meine Arbeit im Design-Bereich gelernt.
Erzähl uns bitte etwas über die Geschichte von Azrael Design – wie kam es zu der Gründung? Verlief alles glatt?
 Eigentlich lief es fast schon zu glatt. Ich habe kurz nach Beginn meines Studiums angefangen in der regionalen Musikszene von Thüringen Kontakte zu knüpfen und kleinere Jobs im Bereich Flyer, T-Shirt Design und Web Design anzunehmen. So hatte ich die Möglichkeit, mein Wissen parallel im digitalen und im Printdesign-Bereich zu erweitern. Dadurch, dass ich wahnsinnig viele nette Leute kennen gelernt habe, bekam ich die Möglichkeit, meine kreativen Ideen direkt in reale Designs umzusetzen. So war irgendwann einfach der Punkt erreicht, meine vorerst nebengewerbliche Arbeit zu meinem Hauptberuf zu machen. An diesem Punkt muss ich John von Deadlock und Alex und Maik von Heaven Shall Burn erwähnen, die mich ganz besonders in der Anfangszeit sehr unterstützt haben. 
The Sorrow MySpace - Layout von Patrick
Hat der Name Azrael eine bestimmte Bedeutung für dich?
 Ja und Nein. Vor etwa 8 Jahren, als ich einen Namen für meine Firma gesucht habe, hatte er vielleicht eine etwas andere Bedeutung als jetzt. Azrael ist in der jüdischen Mythologie und in frühen christlichen Aufzeichnungen mit der Idee des Todesengels verbunden. Ich habe und hatte schon immer eine Affinität zu Engelsfiguren, was sich auch schon immer in meinen Arbeiten zeigt, allerdings finde ich es mittlerweile auch sehr amüsant, dass die Katze von Gargamel aus der Trickfilmserie "Die Schlümpfe" Azrael heißt. Insofern habe ich da mittlerweile einen eher entspannten Blick auf beide Aspekte des Namens und das spiegelt auch den Blick auf meine Arbeit wider. Man muss nicht alles zu ernst nehmen, solange man die wesentlichen Dinge nicht aus dem Blick verliert.
Gab es schon mal Projekte oder Unternehmen, für die du keine Designarbeiten erledigen wolltest, weil sie deinen Vorstellungen nicht entsprachen?
 Ja, die gab es natürlich auch. Im härteren Musikbereich zeigen sich ja oft härtere Sichtweisen auf bestimmten Thematiken. Das finde ich absolut gut und würde mir wünschen, dass auch im populäreren Musikbereich diese Art der Ernsthaftigkeit häufiger zu finden wäre. Allerdings heißt das auch, dass es nicht gerade wenige Bands gibt, die sich mit genau dieser Ernsthaftigkeit auch in ideologischen und politischen Bereichen bewegen, die ich persönlich nicht mit meiner Lebensphilosophie vereinbaren kann. Das heißt ich habe schon öfter Design- Anfragen von Bands abgelehnt, die aus einer faschistischen oder extrem antichristlichen Ecke kommen, da beides aus meiner Sicht menschenverachtend und nicht unterstützungswert ist. Ich denke, jeder soll seiner Idee folgen, sofern er sie für richtig erachtet, aber ich muss da für mich einfach auch eine Linie ziehen, wo aus Toleranz Gleichgültigkeit werden würde.
Deadlock - Shirt Design von Patrick
Was würdest du als den negativsten Aspekt deiner Arbeit bezeichnen?
Gute Frage. Nächste Frage? Nein, im Ernst, ich liebe meine Arbeit und kann mir tatsachlich wenig schönere Arten vorstellen, meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Natürlich birgt jede Selbstständigkeit die Herausforderung, Privatleben und Geschäft sinnvoll zu managen und das Thema Zeit spielt immer eine Rolle. Aber lieber sehe ich auf die Uhr und erschrecke mich, wie spät es schon wieder ist, als ständig daran zu denken, wann endlich Feierabend kommt.
Denkst du, dass die jüngere Metalszene manchmal zu sehr Wert auf Äußerlichkeiten legt? Kritikerstimmen lassen vernehmen, dass die Musik zusehends in den Hintergrund tritt und lediglich die buntesten Designs und krassesten Namen zählen?
Teilweise stimmt das vielleicht, aber ein Verfall der Werte wird ja jedem gesellschaftlichen bzw. kulturellen Bereich nach einer gewissen Zeit vorgeworfen. Aus meiner Sicht tritt die härtere Musik in den letzten Jahren immer mehr auch in den populären Musikbereich ein und dadurch gibt es eben auch viele Bands, die ihre Musik weniger als Sprachrohr für eine revolutionäre Gegenidee nutzen, sondern eben "nur" als Musik und den ideologischen Aspekt eher hinten anstellen. Aus meiner Sicht gib es immer noch viele Bands, die etwas bewegen wollen und der Fakt, dass auch Kids aus gemäßigteren Szenebereichen Zugang zur harten Musik bekommen, weil das ganze auf breiterer Ebene anerkannt ist, sehe ich eher als Vorteil. Vielleicht werden dadurch ja ein paar Menschen mehr erreicht und zum Nachdenken angeregt. Das gleicht die zehn Bands ohne Message wieder aus, hoffe ich.
 Du warst Vegetarier und lebst mittlerweile vegan. Wie kam es zu der Entscheidung? Wo hast du dich informiert, um deine (vegane) Ernährung möglichst ausgeglichen zu gestalten?
 Mittlerweile bin ich seit Anfang dieses Jahres vegan und sehr zufrieden damit. Ich habe vor fast 8 Jahren den Entschluss gefasst, keinen Alkohol mehr zu trinken, bzw. zu Rauchen oder andere Drogen zu nehmen und im Grunde war das der Wegbereiter. Wenn man anfängt, über den Sinn und Unsinn von Konsum im Allgemeinen nachzudenken, dann kommt man auch an der Frage nach dem Sinn von der Ausbeutung von Tieren nicht vorbei. Bestimmt haben auch viele Bands beide Entscheidungen mit beeinflusst und meine Aufmerksamkeit verstärkt in diesen Bereich gelenkt. Aber letztendlich hat es ein paar Jahre gedauert, bis sich das Mitleid und der Frust gegenüber so viel sinnlosem Leid dann auch in einem konsequenten Entschluss auf tierische Produkte zu verzichten manifestiert hat. Der Dokumentarfilm "Earthlings" war mit Sicherheit einer der drastischsten Momente in meiner Entscheidungsfindung und generell habe ich mich viel über PETA und PETA2 informiert. Da ich sehr viel Sport treibe bin ich sowieso schon sehr lange dabei, mich über gesunde und ausgeglichene Ernährung zu informieren und ich denke, die vegane Ernährung ist dafür absolut geeignet und ermöglicht mir eine sehr harmonische Lebensweise, sowohl geistig, als auch körperlich. War das jetzt zu dogmatisch? ;-)
Was würdest du selbst angehenden Vegetariern/Veganern raten?
Ich würde Ihnen raten, das ganze nicht zu streng anzugehen um eventuelle Frustration zu vermeiden. Die Entwicklung zum kompletten Verzicht ist aus meiner Sicht ein Verlauf, der sich erst festigen muss, und der in einer frühen Phase schnell durch zu harte Herangehensweise zu Rückfällen führen kann, wenn man noch nicht sicher genug ist. Das sollte aber nie komplett entmutigen. Man kann sein Leben ja jeden Tag ändern.
Ganz wichtig ist es meiner Meinung nach, gesund zu essen, also sollte man sich verantwortlich gegenüber seinem Körper verhalten und sich belesen, was er an Nährstoffen braucht, um zu funktionieren. Kränkliche, dürre Veganer sind kein gutes Aushängeschild für unsere Idee.
World to Ashes - CD Artwork

Was hörst du privat für Musik? Gibt es unbekannte Bands, die du zurzeit empfehlenswert findest?
 Ich höre eigentlich alle möglichen Genres, weil es in jeder Muskrichtung tolle Bands und Musiker gibt. Zur Zeit stehe ich besonders bei der Arbeit sehr auf "Arms and Sleepers" und generell auf ruhigen Elektro oder Neo-Klassik. Aber das wechselt alle paar Wochen und zum Glück gibt es ja eine schier unbegrenzte Menge an guter Musik. Da sollte man sich nicht einschränken, sonst entgeht einem zu viel Gutes.

Die letzten Worte gehören Dir!
Ich bedanke mich erst mal bei Dir für die Möglichkeit dieses Interviews und kann ankündigen, dass es in den nächsten Wochen und Monaten wieder jede Menge neue Projekte von mir zu sehen geben wird.  Neben vielen neuen Banddesigns  kommt zum Beispiel bald eine kleine exklusive Shirt-Kollektion von mir auf den Markt und auch im filmischen Bereich ist einiges geplant.
Ich denke also, es bleibt spannend in Zukunft.
 

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